Ingo Duderstedt | Grafik und Malerei

"Die Klamm"

„Die Klamm“, Kaltnadel, Spit bite, 2011, Druckformat 50x65cm

Immer neue Sehnsüchte als Gegenentwurf zu Erstarrung und Stillstand · so benennt Ingo Duderstedt selbst die Triebfedern seines künstlerischen Wirkens.

Sehr oft lässt er sich inspirieren von literarischen Texten (A. Rimbaud, K. v. Günderode, B. Vian, G. B. Fuchs, …). Besser gesagt: Literatur, vorzugsweise Lyrik, weckt in ihm das vitale Bedürfnis nach eigenem künstlerischen Ausdruck. Die hier vorgestellte Auswahl zeugt davon. Und zeugt gleichfalls davon, wie weit entfernt von bloßer Illustrierung eines Textes diese Arbeiten sind, denn sie können für sich eine eigenständige, souveräne Gültigkeit in Anspruch nehmen.

Eine zweite Inspirationsquelle der eigenen Kreativität ist die Musik, in erster Linie pulsierender Jazz & Soul. Das virtuose Beherrschen des Handwerks gibt Ingo Duderstedt den freien Schwung zu einer überraschenden, sehr eigenen Umsetzung von Klang- in Bildgestalten. Es ist keineswegs eine Grenzüberschreitung, wenn neben umfangreichen grafischen Arbeiten Pinsel und Spachtel die Radiernadel ruhen lassen. Ingo Duderstedt unterscheidet malerische von grafischer Sichtweise, die er je in den Materialien und ihrer Handhabung begründet sieht.

Die Grafik (aus dem Griechischen: »die be-/schreibende Kunst«) neige durch ihre Nähe zur Schrift zu eher abstraktem Ausdruck. Durch das Einbringen von Farbe als gestalterischem Element können Bilder an Intensität gewinnen. Die damit verbundenen Risiken üben einen starken Reiz auf den Maler aus. Ingo Duderstedt malt im Bewusstsein der hohen Differentiation der Prozesse von Wahrnehmung und Wiedergabe und sieht die malerische Aktion an den Schnittstellen dieser Prozesse.

Dr. Hans Black